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Lilly Stoephasius ist 12 Jahre alt – und schon Deutschlands beste Skateboarderin! Vor einem Jahr hat die junge Berlinerin die deutsche Skateboard-Meisterschaft in der Disziplin „Park“ gewonnen. Weil es in dem Wettbewerb keine unterschiedlichen Altersklassen gab, musste sich Lilly damals mit deutlich älteren Konkurrentinnen messen – und war trotzdem um Längen besser. Auf dem Siegertreppchen ergab sich dann ein kurioses Bild: Auch wenn Lilly auf Platz 1 (also der höchsten Stufe in der Mitte) stand, überragten sie die Zweit- und Drittplatzierte links und rechts deutlich.

Aber auf Körpergröße kommt es beim Skateboarden eben nicht an, sondern auf Geschick und die richtige Technik. Und natürlich auf ganz viel Übung. Seitdem Lilly laufen kann, steht sie bereits auf dem Brett, das ihr die Welt bedeutet. Mit drei Jahren bekam sie dann ihr erstes eigenes Board. Kein Wunder, dass Papa Oliver mächtig stolz ist auf seine sportverliebte Tochter – und auch nicht ganz unschuldig an ihrer Leidenschaft. Denn Oliver Stoephasius skatet selbst schon seit 1976. Damit gehört er zu den allerersten, die sich in Deutschland aufs Board getraut haben. Aber ganz unter uns: Mittlerweile ist Lilly viel besser als ihr Vater. Auch, wenn der sie weiter trainiert – gemeinsam mit Bundestrainer Jürgen Horrwarth.

Dabei geht natürlich eine Menge Zeit drauf: Vier bis fünf Mal pro Woche übt Lilly mittlerweile Tricks wie „Frontside Grind“, „Backside Air“ oder „Backside Varial“ – manchmal bis zu drei Stunden lang. Denn Lilly hat ein großes Ziel vor Augen: 2020 will sie nach Tokio – zu den Olympischen Spielen! Weil es auch hier kein Mindestalter für die Athletinnen und Atheleten gibt, stehen die Chancen recht gut.

Deswegen ist es gerade auch gar nicht so einfach, Lilly zu erreichen. Den Sommer über trainiert sie nämlich nicht nur fleißig zu Hause, sondern auf vielen Wettbewerben rund um den Globus. Dort räumt die Schülerin wieder mächtig ab: Gerade erst hat sie die Bronzemedaille bei den World Roller Games 2019 in Barcelona gewonnen! Und ist jetzt schon wieder zu einem Contest am anderen Ende der Welt unterwegs – nach China! Dass es ihr aber vor allem auf den Spaß am Sport ankommt und nicht aufs Gewinnen, zeigen die vielen Fotos und Videos, die sie auf Instagram hochlädt. Wir waren neugierig, wie es sich anfühlt, so jung so erfolgreich zu sein und haben per eMail nachgefragt.

Hallo Lilly! Du hast in der Disziplin „Park“ die deutschen Meisterschaften in Düsseldorf gewonnen. Spielt der Altersunterschied zu den anderen Teilnehmer*innen eigentlich eine Rolle?
Für mich spielt das eigentlich nicht so eine große Rolle, da ich es glaube ich von klein auf gewohnt war. Ich bin ja anfangs einfach mit meinem Papa zusammen skaten gegangen, da war ich oft das einzige Mädchen zwischen einem Haufen Männer (altersmäßig zwischen 16 und 50). Da fand ich es schon toll, überhaupt gegen Frauen fahren zu können. Auf den größeren Contests jetzt (Olympic Qualifier wie Dew Tour oder Nanjing / Vans Park Series) gibt es jetzt natürlich viele Frauen und Mädchen (und sogar welche in meinem Alter, manche sogar noch jünger.)

(Wie) schaffst du es, Schule und Sport miteinander zu vereinbaren?
Das war bis jetzt nicht so ein großes Problem, da mir das Lernen sehr leicht fällt. Man wird sehen, wie sich das entwickelt, wenn ich jetzt nach den Sommerferien aus das Gymnasium wechsel.

Kannst du uns deinen Liebslingsskatespot verraten – und warum der so besonders ist?
Momentan ist das der Vans Park in Huntington Beach CA, weil sie den besten Bowl* haben und einen tollen Park dazu.

* Bowl ist englisch und heißt eigentlich „Schüssel“. Beim Skaten bezeichnet das Wort ein in den Boden eingelassenes, schüsselförmiges Becken. In den Anfangszeiten des Sports in den 1970ern haben Skater nämlich in stillgelegten Schwimmbecken trainiert. 

Wie findest du es, dass Skaten in Tokio 2020 olympische Disziplin wird?
Ich finde es eigentlich toll. Ich glaube vor allem, dem Frauen-Skateboarden wird es vielleicht nochmal einen Schub geben, da auch Fahrerinnen, die bislang nicht so bekannt sind, zu Contest reisen können, weil sie auf einmal finanzielle Unterstützung vom Verband erhalten.

Wie sich das ganze aufs Skateboardfahren auswirkt bleibt abzuwarten. Eine weitere Hoffnung wäre aber, dass mehr Geld in den Bau von wirklich guten Skateparks investiert wird und wir vielleicht auch in Deutschland so gute Parks haben wie in Kalifornien oder dem europäischen Kalifornien `Schweden`. 

Hast du neben dem Skaten noch andere Hobbies/Lieblingsfächer?
Ich tanze noch Ballett – da gehe ich einmal die Woche hin. Ansonsten mag ich im Urlaub Surfen und Snowboarden, Freunde treffen, lesen, mit meiner Schwester spielen…

Skaten und Olympia: Skateboarden feiert 2020 in Tokio seine Premiere als olympische Disziplin und steht dann gleichberechtigt neben Sportarten wie Leichtathletik, Radsport, Fußball und Schwimmen. Viele Skater*innen wie Lilly freuen sich darüber. Einige sehen es aber auch kritisch. Für sie sind die Regeln, die es bei Olympia gibt, und die Idee, mit anderen Skatern in Wettbewerb zu treten, nicht mit dem Spaß und dem besonderen Freiheitsgefühl beim Skaten vereinbar. 


Neugierig geworden? Folgt Lilly bei Instagram hier: https://www.instagram.com/lillystoephasius/

Der Artikel ist in der Ausgabe 10/2019 des Kindermagazins Stafette (nur im Abo erhältlich) erschienen.

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